212
„Und doch werden Sie mich bis zu Ende anhören,“ erwiederte der Doctor gebieteriſch, aber mit einer Ruhe, die Ida in die größte Verwirrung brachte;—„danken Sie dem Himmel, daß Ihr Verbrechen, für das mir die
klarſten Beweiſe vorliegen, keine andere Strafe finden wird, als dieſe Demüthigung und die, welche Ihr eigenes Gewiſſen Sie früher oder ſpäter fühlen laſſen wird. Wenn Graf Egmont und ſeine Gattin, die Sie ſo empfind⸗ lich verletzt haben, Ihnen die wohlverdiente Gerechtigkeit angedeihen ließen, ſo würde ſich Jedermann mit Abſcheu von Derjenigen abwenden, die Trug und Verläumdung mit Hintanſetzung alles weiblichen Gefühls nicht ſcheute, zu ihren ſchändlichen Zwecken zu gelangen. Jetzt aber, mein
Fräulein, ſollen Sie nur die Meinung eines Ehrenmannes hören, der durch Ihr Benehmen tief empört worden iſt, und Sie werden ihn anhören, wollen Sie dieſe Geſchichte nicht der Oeffentlichkeit preis gegeben ſehen.“
Ida wagte kein Wort mehr zu erwiedern, denn der Ernſt und die Geradheit des alten Doctors flößten ihr Furcht ein; ſie ſtand wie eine überführte Sünderin zitternd, mit niedergeſchlagenen Augen vor ihm, aber ſeine Worte erweckten nicht Reue in ihr, nur Verzweiflung und Wuth über ihre Ohnmacht dem Manne gegenüber, der ſie unge⸗
ſtraft beleidigen durfte, wie ſie meinte, da er Waffen


