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ein Blick auf Mittermann's Geſicht flößte ihr doch unwill⸗ kürlich Furcht ein, denn es war ernſter und ſtrenger, als es ſich eigentlich mit der ſchuldigen Höflichkeit des Beſuchers vereinigen ließ.
„Sie ſehen ſo entſetzlich böſe aus, lieber Doctor,“ rief ſie lachend nach den erſten Begrüßungen,—„daß man meinen ſollte, Sie hätten eine Trauerbotſchaft auf dem Herzen, und doch habe ich gehört, daß in Breitenſee nur Jubel und Freude herrſchen.“
„Dem iſt wirklich ſo, und zwar, weil die Anſchläge der Böſen und Nichtswürdigen auf eine fromme, heilige Liebe zweier Gatten, die ein Höherer vereinigte, geſcheitert ſind,“ erwiederte der Doctor, ſeine Augen durchbohrend auf Ida heftend, die nahe daran war, alle Faſſung zu ver⸗ lieren und auffallend bleich wurde.„Meinen Sie nicht, gnädiges Fräulein, daß dies eine Veranlaſſung zum Jubel* anderer guter Menſchen iſt, welche die Weisheit der Vor⸗ ſehung zu ehren verſtehen?“
„Gewiß, Doctor,“ ſagte das Fräulein in ſichtlicher Verwirrung.„Ich weiß aber nicht, von welchen Anſchlä⸗ gen Sie da ſprechen, da es ſich in dieſem Falle doch wohl nur um ein unglückliches Mißverſtändniß zwiſchen zwei
ngen Gatten handelte, das ſich eben ſo leicht, wie es ent⸗ ſaanden, auch wieder gehoben hat.“


