Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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Gelegenheit hatte, konnte nicht daran zweifeln, daß er Marien aufrichtig liebe und ihren ſelbſtverſchuldeten Ver⸗ luſt ſchwer würde ertragen können; kein freundlicher, liebe⸗ voller Blick, kein Wort des Dankes wurde ihm dafür von ihr, denn noch immer hielt das Fieber ihr Bewußtſein umfangen; ſie redete irre und klagte Egmont bald der bitterſten, herzloſen Grauſamkeit an, bald flehte ſie in den rührendſten Bitten zu ihm, ſich von ihrer Unſchuld zu überzeugen und den böſen Menſchen nicht zu glauben, die ſie nur um ſeine Liebe beneidet hätten. Man kann be⸗ greifen, wie tief jedes Wort in des Grafen Seele eindrang und ſich dort für immer eingrub; er konnte das ganze un⸗ endliche Leiden ſeiner Gattin durchſchauen und ſchwor ſich ſelbſt mit den heiligſten Eiden, ihr nie wieder ein Miß⸗ trauen zu zeigen, das ſie nicht verdienen konnte.

Immer wiederholte er in unausſprechlicher Angſt die Frage an Mittermann und den Arzt, der in deſſen Ab⸗ weſenheit zu der Erkrankten gerufen, dieſe jetzt im Verein mit jenem behandelte, ob Marie leben werde, obgleich er ſtets dieſelbe Antwort erhielt, ſie hofften es, aber die Ge⸗ fahr gehe erſt mit der glücklich überſtandenen Kriſis vor⸗ über, und ſelbſt dann bedürfe es noch der äußerſten Schonung der jungen Frau, damit nicht ein leicht noch gefährlicherer Rückfall der Krankheit eintreten könne. Egmont las in ihren ernſten, bedenklichen Mienen, daß