Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Frau ſprach, ſank erſtere ihm unter Thränen um den Hals, und die Verſöhnung zwiſchen Vater und Tochter war ge⸗ ſchloſſen.

Am andern Tage holte der Doctor Mittermann, der dieſes Mal keine Veranlaſſung gefunden hatte, die Gräfin von Egmont's Plänen in Kenntniß zu ſetzen, Marie aus dem väterlichen Hauſe ab und begleitete ſie ſelbſt zu ſeiner Schweſter, die ihrer bereits in der nächſten Stadt wartete. Marie war glücklich und hoffnungsvoll; die alte Frau kam ihr ſo liebevoll und zuvorkommend entgegen, daß ſie ſo⸗ gleich Vertrauen zu ihr gefaßt hatte, und der Doctor kehrte beruhigt nach Breitenſee zurück, dem jungen Grafen Be⸗ richt zu erſtatten und ihm Marien's Grüße zu bringen.

Von dieſem Tage an war Egmont auffallend heite⸗ rer, und auch ſein Geſundheitszuſtand beſſerte ſich ſichtlich. Auch Gräfin Eleonore hatte, wie die ganze Umgegend, ver⸗ nommen, daß Marie Theißen plötzlich verreiſt ſei, aber ſie ahnte nicht, daß Egmont davon etwas wiſſe, denn, wie bei Allen, fand auch bei ihr die Erklärung Glauben, der alte Theißen habe ſeine Tochter zu einer entfernten Verwandten geſchickt, um ſie den wielfachen Redereien, den neugierigen

Blicken und hauptſächlich der weitern Berührung mit dem jungen Grafen zu entziehen; die Gräfin war ſogar erfreut

über ihre Entfernung und erwähnte derſelben bei Egmont

1858. XVIII. In Wald und Schloß. I.

gar nicht, um ihn nicht zu Nachforſchungen nacjd dem Mäd⸗.