Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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machen, die ihm nie das Fehlſchlagen ſeiner liebſten Hoff⸗ nungen erſetzen konnte.

Seine Frau, ein ſanftes Weſen mit ächt weiblichem, zartem Gemüth, kannte den Grund der Verſtimmung ihres Mannes, denn in böſen Stunden des Unmuths und Zorns hatte er ihr oft vorgeworfen, was ihm das Leben verbit⸗ tere; wußte ſie auch, daß er ſie doch von Herzen liebe und daß er dieſe unbedachten Ausbrüche ſeiner Heftigkeit bald bereue, ſo litt ſie doch darunter und hauptſächlich der Tochter wegen, der das Vaterherz entfremdet war. Was dieſer der Vater ſchon von früheſter Jugend an entzog, er⸗ ſetzte ihr die Mutter in reichem Maße; Marie fühlte dies mit dem ſcharfen Inſtinkt, der Kindern eigen iſt, bald heraus, und das ſchelmiſche, liebliche Kind, das in ausgelaſ⸗ ſener Fröhlichkeit um die Mutter ſpielte und lachte, ver⸗ barg ängſtlich zitternd das blonde Lockenköpfchen in deren Schooß, wenn der finſterblickende Vater von der Jagd heim kehrte. Als Marie größer und verſtändiger wurde, verlor ſich dieſe unnatürliche Scheu, die das Herz des Vaters noch kälter für ſie ſchlagen ließ, mehr und mehr, denn ſie lernte ſeinen biedern, geraden Charakter ſchätzen und vermochte nun die mancherlei kleinen Sorgen zu verſtehen, die auf ſeinen Gemüthszuſtand Einfluß haben mußten, aber alle dem blieben ſich die beiden Herzen fremd, und die ter fürchtete den Vater mehr, als ſie ihn liebte.