Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

einer liebeskranken Nachtigall, während ſie vor nicht länger als einem Jahr wie eine Roſe blühte und ein luſtiges Jä⸗ gerlied in den Wald hineinſang, kräftiger und friſcher, als ich meiner Zeit? Warum ſind ihr oft die Augen ſo roth verweint? Und habe ich ſelbſt ſie nicht ſchon ſelbſt über⸗ raſcht, als ſie ſich mit der Schürze die Augen trocknete? Du ſiehſt aber nichts, Mutter, Du willſt nichts ſehen, weil Ihr Weiber alle eines Schlages ſeid und unter einer Decke

ſteckt! Du begünſtigſt wohl gar der Marie Thorheit, ſich dem Jungen an den Hals zu hängen, der auf der lie⸗

ben Gotteswelt gar nichts ſein nennen kann und eigentlich

aunur des Herrn Grafen Gnadenbrot hier ißt; Du

Na, laß's nur gut ſein, unterbrach ihn Mutter

Martha, die den Aerger über ihres Mannes Beſchuldigun⸗

gen ſchwer ertragen konnte;die Marie liebt den Wilm nun einmal doch nicht, das weiß ich ſicher; und was

den Jungen anbetrifft, ſo ißt er des Herrn Brot nicht um⸗ ſonſt und thut ſeine Pflicht und Schuldigkeit als ehrlicher

Zägerburſche; das haſt Du oft genug ſelbſt geſagt und biſt ſtets mit ihm zufrieden geweſen. Aber Du ſiehſt Geſpen⸗.

ſter am hellen Tage und biſt ungerecht in Deiner Furch⸗ een die Marie rothe Augen vom Weinen hat, ſo biſt D daran Schuld, denn Du quälſt das arme Mädche deinem grundloſen Verdacht und polterſt den gan⸗

ag mit ihr herum. Das bringt den Unfrieden in's Ha