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etwaige unangenehme Folgen, die Ihnen aus einer ſolchen Verſäumniß entſtehen dürften, glaube ich aufkommen zu können.“
Das junge Mädchen ſah ihn ganz verwundert an; es mochte der Gedanke in ihr auftauchen, daß er den Ent⸗ ſchluß zur ſofortigen Abreiſe gefaßt habe, denn ein tiefer, trauervoller Schatten verbreitete ſich über ihr Antlitz. Vielleicht hegte er die Abſicht, zuvor ihr eine angenehmere, ſorgenloſere Lebensſtellung anzuweiſen wie die bisherige— ſeine Worte ſchienen dies anzudeuten,— aber es verletzte ihr Gefühl, eine ſolche Wohlthat von ihm anzunehmen. Deshalb erwiderte ſie ihm auch nach kurzem Beſinnen, es ſei ihr unmöglich, ſeinem Wunſche zu entſprechen, denn ihr Prinzipal werde ihr keinen Urlaub bewilligen, zu einer Lüge, ſich z. B. mit Krankheit zu entſchuldigen, möge ſie aber nicht ihre Zuflucht nehmen.
Aber Victor ließ ſich durch dieſe ſehr vernünftige Einwendung nicht abweiſen; er war ungewöhnlich auf⸗ geregt und heftig.„Sie ſollen nie wieder zu einer Stel⸗ lung zurückkehren,“ ſagte er unter Anderem, indem er ſie mit den dringendſten Bitten beſtürmte,„die Ihrer nicht würdig iſt und wo Ihre Mühen nur mit Undank belohnt


