Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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den Köhlers, der zur Zeit krank und von aller Welt ver⸗ laſſen darniederliege; es fehle ſelbſt an den nothwendigſten Bedürfniſſen, um das Leben zu friſten, und ſie ſei in den Wald 13 hinaufgegangen, um die Beeren, die ſie jetzt im Körbchen hatte, wenigſtens zu einer kleinen Erfriſchung für den Vater zu ſammeln; nun ſei ihr aber in dem Gedanken, wie ſie ihn wiederſehen werde und ob dieſes Wenige auch nur einigermaßen zureichen könnte, ſo bang und wehe geworden, daß ſie nicht umhin gekonnt, ſich ſatt zu weinen. Der Erbherzogin und Victor wollte es faſt unglaublich klingen, daß in ſo großer Nähe des herzoglichen Luſtſchloſſes, wo ſie nur den reichſten Ueberfluß zu ſehen gewöhnt waren, Jemand hungernd und gänzlich hülflos in ſchwerer Krankheit V ſich beſinden könnte: indeſſen lag in der ſchüchteren Erzäh⸗ lung des Mädchens, das es durchaus nicht auf gewöhnliche Bettelei abgeſehen zu haben ſchien, doch ſo viel Glaubwür⸗ digkeit und die ſanften blauen Augen, die voll Thränen ſtanden, flehten, wohl eines beſtimmten Zweckes unbewußt, ſo rührend um Hülfe in der ſchwerſten Noth, daß ſich die Beiden davon auf das Tieſſte ergriffen fühlten. Die Erb⸗ herzogin warf nur einen kurz fragenden Blick auf ihren Begleiter und forderte dann das Kind auf, ihnen den Weg nach der Behauſung des kranken Mannes zu zeigen.