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Die Emigranten : historische Novelle / von St. Graf Grabowski
Entstehung
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ihre tiefe Erſchütterung über den wort⸗ und thränenloſen Schmerz ausſprach.

Madeleine lenkte ihre Schritte an den letzten Häuſern

der Vorſtadt vorüber dem Platze zu, auf dem am Vor⸗ mittage die blutige Scene der Execution ſtattgefunden hatte; ſie achtete nicht darauf, daß der Regen auf ſie nieder⸗ ſtrömte und daß der Wind ihr ſauſend entgegenſtürmte und ſich ihrem Beginnen widerſetzen zu wollen ſchien; ſie fühlte von dem Allen nichts mehr.

Unfern jenes kleinen Gaſthauſes lag eine kurze, von Baumgruppen und Gebüſch begrenzte Wieſenſtrecke; auf ihrer einförmigen Ebene ließen ſich nur ein paar roh auf⸗ geworfene Erdhügel, die zahlreiche Opfer deckten, daneben eine noch offene Grube, die in den nächſten Tagen wieder gefüllt werden ſollte, unterſcheiden; es waren die Grab⸗ hügel der exekutirten Royaliſten, wie ſie wußte, und ſie ſchien das Mädchen zum Ziele ihrer Wanderung erwählt zu haben.

Qui vive? ſchallte es aus dem Gebüſche, das einen Poſten verſteckte, den die ſonderbare Erſcheinung in dem weißen wehenden Kleide mit Grauſen erfüllen mochte.

Madeleine hörte Nichts, oder ſie hatte über den einen Zweck, den ſie verfolgte, alles Uebrige vergeſſen; ſie gab keine Antwort.

Der Anruf wiederholte ſich noch einmal und drohen⸗