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Die Emigranten : historische Novelle / von St. Graf Grabowski
Entstehung
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unwillkührlich von ihren Sitzen erhoben und ſich beſcheiden gegen ſie verbeugten. Sie trug eine reinliche, höchſt ein⸗ fache Kleidung, die durch einen langen, mühevollen Weg verwirrt worden zu ſein ſchien.

Mademoiſelle wünſcht das heute ausgegebene Exe⸗ kutions⸗Manifeſt zu ſehen, meinte der Wirth, das Papier mit zuvorkommender Artigkeit dem Mädchen reichend; dann flüſterte er den beiden Andern zu:

Das arme Kind muß wohl einen Verwandten unter den Unglücklichen gehabt haben.

Niemand wagte ein lautes Wort zu äußern, um das Mädchen nicht zu ſtören, das mit fliegenden Händen das Manifeſt ergriffen hatte und die glanzloſen Augen ſtarr darauf richtete. Plötzlich zuckte ſie heftig zuſammen, und aus ſchwer arbeitender Bruſt gingen kaum hörbar die Worte über ihre Lippen:

Bürger Eugen Salvandy.

Keine Thräne drängte ſich in das Auge Madeleinens; eine ganze Weile noch ſtand ſie regungslos und ſtarrte auf das Papier, dann legte ſie es mit zitternder Hand wieder auf den Tiſch und flüſterte:

Ich danke Ihnen, Bürger.

Mit ſchwankenden Schüten verließ ſie wieder das Zimmer; Niemand wagte ſie aufzuhalten und auszufragen, aber die Männer ſahen ihr mit Blicken nach, in denen ſich