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hingen noch mit derſelben unerſchütterlichen Zuneigung wie jemals an einander.
So war der Abend des zwanzigſten Juli herange⸗ kommen, und während man von Neuem im royaliſtiſchen Hauptquartier über die zu ergreifenden Maßregeln berieth, befanden ſich Horace und Eugen wieder im Hauſe der Vicomteſſe; bei der lebhaften Unterhaltung, die von der nächſten Zukunft handelte, hatte man nicht darauf geachtet, daß die Mitternachtsſtunde ſchon bald herangekommen war.
Da ertönte plötzlich draußen ein Signalhorn, das die wohlbekannten Töne des Generalmarſches ſchmetternd in die ſtille Nacht hinaustrug,— einen Moment ſpäter fand es ein mehrſtimmiges Echo, und dumpf wirbelten die Trom⸗ meln den Ruf zu den Waffen.
Ueberraſcht blickte man ſich an; alle Herzen ſchlugen lauter, die der Frauen vor Angſt, die der beiden Jünglinge in unruhiger Kampfbegier und Erwartung.
„Es iſt der Generalmarſch,“ ſagte Horace ſich erhe⸗ bend und ſetzte, als er auf das todtenbleiche Geſicht ſeiner Mutter blickte, beruhigend hinzu:
„Es wird keine beſondere Bedeutung haben; ver⸗ muthlich hat eine kleine Rekognoscirung unſerer Gegner die Vorpoſten in Bewegung geſetzt.“
Auch Eugen ſuchte eine gleiche Ruhe zu erheucheln,
obgleich die beiden jungen Offiziere ſich ſagen konnten,
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