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ihrem Lager erheben konnte; nach dem Ausdrucke ihres Geſichts zu urtheilen, hatte ſie für immer mit den Freuden der Welt abgeſchloſſen, und die tiefſchmerzliche Kälte, die eiſige Härte, die ſich in ihren Mienen ausprägten, ließen ſie um mehrere Jahre älter erſcheinen, dabei hatte ſich eine Reizbarkeit der Nerven eingeſtellt, die ſie in dem unbe⸗ deutendſten Worte eine beabſichtſgte Verletzung ihrer Per⸗ ſon, Spott über ihr Unglück ahnen ließ und dann die heftigſten Ausbrüche von Schmerz und Unmuth hervorrief; beſonders aber äußerte ſich die Abneigung gegen die un⸗ ſchuldige Madeleine noch deutlicher als zuvor. Madeleine duldete dies mit ihrer gewöhnlichen Sanftmuth, bemitlei⸗ dete das unglückliche Mädchen, das alle Anſprüche auf ihre Liebe mit Gewalt verſcherzen zu wollen ſchien, und hoffte ſehnlichſt auf den Moment, der ſie aus der Familie Saint⸗ Réal in die Arme Eugens führen werde, ſobald dieſer Kampf, gleichviel auf welche Weiſe, beendigt ſei.
Eugen war, ſo oft und lange es nur ſein Dienſt er⸗ laubte, in dem Hauſe der Vicomteſſe, wozu er durch Horaces Anweſenheit noch mehr Veranlaſſung fand. Hatte die Vicomteſſe noch nicht Zeit gefunden oder dieſen Augenblick nicht für paſſend gehalten, ihrem Sohne offen zu erklären, was zwiſchen Eugen und Francaiſe vorgefallen ſei, oder hatte Horace nach einer ſolchen Mittheilung ſeinen Freund von aller Schuld freiſprechen zu müſſen gemeint,— Beide


