230
eine bekannte Stimme, und Horace drückte einen flüchtigen Kuß auf den Mund der Schweſter und flog dann in die Arme der lautaufſchreienden Vicomteſſe.
Während mütterliche und ſchweſterliche Zärtlichkeit ſich nun im Anſchauen und Ausfragen des theuren Wie⸗ dergefundenen erſchöpften und keiner der drei Glücklichen Augen für Madeleine und Eugen hatten, benutzten dieſe, die ihr übermächtiges Gefühl die allzugroße Vorſicht ver⸗ geſſen ließ, den Augenblick, ihre Herzen auch frei über⸗ ſtrömen zu laſſen. Schnell aber hatte ſich Madele ine wieder den Armen des Geliebten entzogen, und flüſternd begnügten ſie ſich nun, Worte der reinſten Glückſeligkeit auszutauſchen, bis Horace ſich auch an ſeine Retterin wandte und dieſe wie eine alte theure Freundin begrüßte. Nach allen ſtürmiſchen Freudenbezeigungen von allen Seiten kam es erſt dazu, daß Horace die Geſchichte ſeiner Rettung erzählen konnte.
Wirklich hatte er, als er in Madeleinens Zimmer zu Rennes verſteckt, den Kapitän Guénard auf Oeffnung deſſelben beſtehen hörte, den tollkühnen Entſchluß gefaßt, den ſchon früher beſchriebenen Weg durch das Fenſter zu nehmen. Der gewagte Sprung war gelungen und obenein mit ſo wenig Geräuſch ausgeführt worden, daß die als Wache auf dem Hofe aufgeſtellten Soldaten nicht darauf aufmerkſam wurden. Mit Mühe war es ihm dann gelungen,


