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Die Emigranten : historische Novelle / von St. Graf Grabowski
Entstehung
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Madeleine ſchien nicht ganz von dem weiblichen Erb⸗ fehler, der Neugierde, frei zu ſein, denn ſie lauſchte auf⸗ merkſam, die Stimme des Ankömmlings zu vernehmen, wobei ſie ſich in die Nähe einer Thür zurückzog, die in eines der Privatzimmer des Hauſes führte, um durch die⸗ ſelbe entſchlüpfen zu können, falls des neuen Beſuchers Geſellſchaft ihr nicht zuſagen ſollte.

Teufel, Herr! Ihr laßt mich lange in dem furcht⸗ baren Regenguſſe ſtehen, ehe Ihr Euch entſchließt, Euer Wirthshaus zu öffnen! raiſonnirte draußen eine Stimme, die jugendlich und wohlklingend lautete, obgleich ſie durch den Unmuth einen rauheren Ton angenommen hatte.Man hatte mir geſagt, es gäbe keinen aufmerkſamern Wirth in Rennes als Euch.

Man konnte hören, wie Mathieu im halbem Flüſter⸗ tone ſich ehrerbietigſt entſchuldigte. Madeleine war un⸗ entſchloſſen, ob ſie in der Gaſtſtube bleiben ſolle oder nicht, denn der barſche Ton des Ankömmlings war ſo wenig ver⸗ trauenerweckend, daß ſie ihre Neugierde faſt vor Scheu überwunden fühlte.

Jetzt öffnete ſich ſchnell die Thür der Gaſtſtube, und mit der weißen Mütze in der Hand nöthigte Mathieu unter vielen höflichen Redensarten den Fremden, einzutreten; dieſer folgte der Aufforderung auch ohne weiteres Zögern.

Er war ein ziemlich hoher Mann von eleganter Figur