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Die Emigranten : historische Novelle / von St. Graf Grabowski
Entstehung
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der Eintretende bei der ſchwachen Beleuchtung kaum wahr⸗ genommen haben würde, erſchreckt zuſammen und richtete die Augen ängſtlich fragend auf Mathieu, der ſich mit übellauniger Heftigkeit auf eine der gepolſterten Bänke ge⸗ worfen hatte. Eine weiche, wohlklingende Stimme fragte in beſorgtem Tone:

Giebt es etwas Schlimmes, Onkel Mathieu, da Sie ſo verſtimmt ſcheinen?

Die Fragerin denn es war ein weibliches Weſen, von dem dieſe Worte ausgingen, ſaß an dem andern Ende der langen Tafel, wo ſie ſich mit Eintragung von Zahlen in ein großes Rechnungsbuch beſchäftigt hatte. Sie ſchien achtzehn bis zwanzig Jahre alt zu ſein und war weniger von auffallender Schönheit als von einer be⸗ ſcheidenen Anmuth, die ſich ſowohl in der ganzen Haltung eines ſehr zierlichen Körperbaues, als in dem ſanften, überaus anziehenden Geſichtsausdrucke ausſprach. Der Schnitt dieſer Geſichtsform war nicht regelmäßig, aber man vergaß dies über die zarte Bildung ihrer einzelnen Theile und deren zufällige Vereinigung; die leichtgebogene feine Naſe, die dunkelbraunen Augenſterne, von langen Wimpern faſt bedeckt und von ſchmalen, ſcharfgezeichneten Brauen überwölbt, hatten etwas Stolzes, Imponirendes an ſich, die untere Partie des Geſichts aber, vorzüglich der liebliche Mund, milderten dieſen Ausdruck, und die