Dreinndſechzigſter Brief.
Von der Fürſtin Gallitzin in Paris an den Baron von Rehfeld.
Mein Brief, theurer Vater, der Ihnen meine Glückwünſche zu Ihrer Ankunft in dem Hauſe Ihrer Ahnen brachte, blieb unbeantwortet; aber ich kann mir die Menge der Geſchäfte denken, die Sie nach einer ſo kangen Abweſenheit von Rehfeld in Anſpruch nehmen mußten.
Ich erinnere mich recht wohl, daß Sie bei Ihren gewöhnlichen Beſuchen von der Reſidenz aus von Jo⸗ hann und Sara, von Verwaltern, Forſtmännern, Bleichmeiſtern, Bergleuten, Pächtern und Landwirthen belagert wurden. Es macht mir Freude, an jene ſchö⸗ nen Septembertage zu denken, in welchen ſie nach einander ankamen, jeder mit einer Gabe für ſeinen geliebten Herrn, und mit einer Klage. Ich betrachtete ſie gewöhnlich mit mißfälligen Blicken, weil ſie mich daran hinderten, mit Ihnen nach einer Trennung von einem ganzen Jahre ungeſtört zu plaudern. Ich bin nun noch ſchlimmer auf ſie zu ſprechen, weil ſie Ihrer Beantwortung meines Briefs entgegenſtehen.
Eine lange Trennung von Ihnen und der Hei⸗
math hat mich für den Werth einer ſolchen Verbindung
empfänglicher gemacht, als ich es war, und nach der glänzenden und emſigen Unbeſtändigkeit des Pariſer Lebens würde mir die einfache deutſche Herzlichkeit in der That ſehr erwünſcht ſein. Ich beneide Sie um den warmen und aufrichtigen Empfang, der Ihnen zu Reh⸗ feld wurde; ich beneide Sie ob der Ehrfurcht, die allen Ihren Worten und Zlicken von denen bezeigt wird, die in demſelben eine Bürgſchaft Ihres Schutzes er⸗


