Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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Zweiundſechzigſter Brief.

ie Fürſtin W. in St. Petersburg an die Fürſtin Gallitzin in Paris.

Würde ich nicht Ihre Erhabenheit über die Welt kennen, theuere Fürſtin, ſo würde ich ſchon lange meine Condolenz an Sie abgeſendet haben, weil Sie, wie mir verſichert wurde, den Steinwürfen der Pari⸗ ſer ausgeſetzt waren. Ein ſo großer Philoſoph hat jedoch den Troſt, zu wiſſen, daß der Neid der Schat⸗ ten des Verdienſtes iſt, oder, wie Sie mir einſt auf meine Bemerkungen über Ihren angebeteten Czaar antworteten, daß Verleumdung gleich der Sonne am erſten auf das höchſte Haupt fällt. Ihre Eitelkeit hat daher alle Urſache, mit der Bosheit zufrieden zu ſein, welcher Sie ausgeſetzt waren. Einer Ihrer Lieblings⸗ weiſen hat uns geſagt, daß blos gegen Gott eine Blas⸗ phemie ſtattfinden könne.

Ich für meinen Theil wollte lieber an Ihrer Stelle ſein, Geſandtin einer der großen Mächte bei der größ⸗ ten Macht, und von einem Ende der Woche bis zum andern mit allem dem angegriffen, was Haß und Bosheit erſinnen können, als in St. Petersburg das Leben der Gnade zu leben, wo nicht Eines iſt, welches witzig genug wäre, einen Scandal zu erſinnen, und nicht Eines zuvorkommend genug, um einen auf ſich zu ziehen. Noch einmal ſage ich, ſeien Sie zufrieden mit Ihrem Geſchicke! Sie haben einen Mann von zweifelhaftem Vermögen geheirathet, oder vielmehr einen Mann, der ſein Vermögen durch diplomatiſche Dienſte erwerben muß. Wie viel beſſer, als das ſchönſte Gut dieſes Landes iſt es, die Strafe hinzu⸗

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