Sechzigſter Brief.
Von der Fürſtin Gallitzin in Paris an den Vicomte
Elvinſton, Elvinſton Caſtle.
Den 22. Juni 1830.
Die Briefe des Grafen Erloff an ſeinen Vetter Vaudreuil bringen ſo beunruhigende Nachrichten über die fortſchreitende Geneſung der theuern Marguerite, daß es wahrſcheinlich iſt, daß Sie die gegenwärtige günſtige Witterung benutzen werden, um Ihr Vorha⸗ ben auszuführen, ein milderes Klima aufzuſuchen.
Ich bin vielleicht weniger aufgelegt, als damals, wo ich zum erſten male die Ehre hatte, Sie kennen zu lernen, auf die Discretion des Herrn von Vau⸗ dreuil zu vertrauen, und aus Gründen, mit denen Sie zu beläſtigen unnütz wäre, habe ich das Verlan⸗ gen, mich einer Korreſpondenz mit dem Grafen Erloff zu enthalten. Ich bin daher gezwungen, mich an Sie zu wenden, perſönlich wegen eines Gegenſtandes zu wenden, der zu theure Intereſſen unſerer Familie derbrt, als daß irgend eine Zurückhaltung ſtattfinden önnte.
Bringen Sie, ich bitte Sie darum, wenn es auch die Aerzte für unumgänglich nothwendig erklärt haben, unſere arme leidende Marguerite in dieſem Augenblicke nicht nach Frankreich. Ich habe es aus einer zuverläſſigen Quelle, daß ehe der Sommer vor⸗ über ſein wird, eine große politiſche Krifis den um⸗ wölkten Horizont der öffentlichen Angelegenheiten än⸗ dern muß. In dieſem Lande hat eine politiſche Kriſis ſchreckliche Folgen. Dies iſt keine leere Vorausſetzung, nicht der paniſche Schrecken eines Weibes. Es iſt


