Einunddreißigſter Brief.
Von der Fürſtin Gallitzin an die Vicomteſſe Elvinston.
Theuerſte Marguerite, zehntauſend, tauſendmal Dank, nicht für Deinen Brief, denn mit dieſer Pflicht habe ich bereits unſere gute Moreau beauftragt, deren Geſchäft in meinem Hauſe iſt, mich aus einer Welt von Mühen im Briefſchreiben zu erretten. Meine Dankbarkeit hat einen tiefern Urſprung; und wieder und wieder laß mich Dir für jene lebhaften Ausbrüche der Sehnſucht nach Deinem geliebten Frankreich dan⸗ ken, welche mehr, als all' der frühere Enthuſiasmus der würdigen Thereſe(welchen ich bloßer Nationalität⸗ zuſchrieb) mir den heftigen Wunſch einflößten, mich in Frankreich einſtens niederzulaſſen..
Wenn Du nicht geweſen wäreſt, hätte ich mich vielleicht in das traurige Schickſal ergeben, die Hand Wilhelms von Rehfeld anzunehmen und ein Pflanzen⸗ leben auf Schloß Repfeld geführt, das kaum lebhafter geweſen wäre, als wenn ich vorläufig in die Gruft unſerer alten Kirche begraben worden ſein würde; denn bloß Du warſt die Urſache, daß die Hand der Tochter des Barons in den Augen ſeines Nachfolgers niemals ihren Werth verloren hat.—
Ich betrachte Dich daher nicht nur als meine Er⸗ löſerin von allem Leide, ſondern auch als die Grün⸗ derin meines Glückes, denn glaube mir, geliebte Schweſter, ſelbſt daß Aeußerſte, was Du mir je von dem agrément dieſes Platzes ſagteſt, ſteht weit unter dem Reize, den ich mit jeder Stunde hier wachſen ſehe! Daß Du in der Einförmigkeit und Häuslichkeit leben konnteſt, nachdem Du Paris geſehen, iſt mir wirklich unbegreiflich!


