Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Kreiſe ſeiner Familie begrüßte. Sie ſprachen alle ge⸗ läufig franzöſiſch wie geborne Franzoſen, wenn auch mit einem fremden Accente; jedoch in einem minder unangenehmen,(ich wage es gegen Dich auszuſprechen, die Du gleich einer Pariſerin ſprichſt) als der Accent der Deutſchen..

Nachdem geſpeist war, vertieften ſich die vier Herren in ein politiſches Geſpräch, in engliſcher Sprache, dem zu folgen mir einige Mühe koſtete. Aber ich konnte deſſen Wichtigkeit aus dem Nachdrucke ihrer Stimmen und ihrer wechſelnden Geſichtsfarbe entneh⸗ men. Ich wurde in der That tief ergriffen von dem Geiſte und der Energie, welche ſich plötzlich in den Zügen meines Mannes bei einer Unterhaltung über ein höheres Thema entfaltete, als das war, über wel⸗ ches ich ihn bisher vernommen hatte. Er war nicht länger der linkiſche Mann, als den wir ihn in Peters⸗ burg zu verlachen pflegten; ſelbſt nicht länger der ergebene Freund, deſſen Zärtlichkeit ich ſonſt ſo beengend fand, ſondern ein Mann voll Geiſt und Gefühl, der beiden gleichen Spielraum ließ.

Ich konnte ſehen, daß er beſſer und überzeugender als die Uebrigen ſprach; und nie fühlte ich mich ſo ſtolz und ſo glücklich!

Ich vermuthe, daß der alte Gentleman, Sir Tho⸗ mas Meredyth, nicht geneigt war, mich mit einem günſtigen Auge zu betrachten; wenigſtens war er viel ſchweigſamer, als die Andern und ſprach zu mir nicht ein Wort. Als jedoch die Tafel aufgehoben und Mrs. Leslie's ſchöner Knabe mir durch die Amme, welche ihn zu Bette brachte, aus den Armen genommen wor⸗ den war, ging er plötzlich auf mich zu, legte meine beiden Hände in die ſeinigen, ſah mich einige Augen⸗

blicke ſo feſt an, daß meine Wangen ſich rötheten, und

dann drückte er mir einen Kuß, der mir das erſte Mal Sren Begriff von väterlicher Liebe einflößte, auf meine tirn.*