Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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ich vielleicht irriger Weiſe für Mangel an Herzensgüte halten könnte..

Was ſie in der Welt im Allgemeinen ſind, darüber kann ich nicht urtheilen. Aber Gott weiß es, daß in ihrer Art, mich als Schweſter anzuerkennen, keine Schüchternheit lag; während bei dem Empfange ihres Bruders die Thränen, welche über ihre Wangen ſtröm⸗ ten, als ſie an ſein Herz gedrückt wurden, hinlänglich bewieſen, daß die Kälte und Zurückhaltung, die Alfred allen Engländern zuſchrieb, nicht vorhanden ſeien, we⸗ nigſtens nicht in der heitern Atmosphäre eines Fami⸗ lienzirkels.

Die beiden Schweſtern, mit denen ich Bekannt⸗ ſchaft gemacht habe, Mrs. Leslie und Herzogin Buckeng⸗ ham, beyaupten ganz verſchiedene Stellungen im Leben, und zwiſchen ihren Pflichten und Verbindungen beſteht ein großer Contraſt. Die Eine iſt die Gattin eines Beamten von mittelmäßigem Vermögen, deren Heirath durch die Freigebigkeit ihres Bruders erleichtert wurde; die Andere die eines der reichſten der Ariſtokraten, deſ⸗ ſen Einkänfte gleich jenen meines Gemahls, denen eines deutſchen Fürſten gleich kommen. Die Grund⸗ ſätze und Sitten der beiden find indeſſen ſo ganz einer⸗ lei, daß ich ein Recht habe, ſie als eine Durchſchnitts⸗ probe der Geſinnungen meiner neuen Familie anzu⸗ nehmen. 3

Wir ſpeisten am erſten Tag bei Mrs. Leslie, die ein kleines Haus in einer angenehmen Lage bewohnt, deſſen Zimmer einer Reihe von Boudoir gleichen, ſo ſchön und niedlich iſt ihre Einrichtung. Bloß der Her⸗ zog und die Herzogin von Buckingham und ein etwas be⸗ jahrter Mann, der frühere Vormund meines Gatten, wa⸗ ren anweſend. Nach dem Eſſen wurde der Mrs. Leslie klei⸗ nes Kind gebracht und Alles war Freude und Munterkeit, Ich ſah nie eine ſo aufrichtige Freude und mehr herz⸗ liche Zuneigung, als die Ankunft meines Gemahls im Die Frau des Geſandten. II.