Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

,

gen Gelegenheit hielt jedoch eine Menge von weib⸗ lichen Leidenſchaften und Schwächen die Aufmerkſam⸗ keit ſtets wach. Die ruſſiſche und die Fremdenpartei ſtritten eifrig mit einander, welche wohl die lieblichſte der beiden Schönheiten ſei, und riefen Eiferſucht, Wi⸗ derſpruch und Neid durch tauſend liſtige Worte des Lobes herbei. Dann zeigte ſich auch die Begierde, welche nicht laut werden durfte, die Natur des Antheils zu kritifiren, den Nikolaus an dem Ereigniſſe nahm. Einige Wenige, darunter auch Ihr unwürdiger Couſin, wurden von einer minder edlen Begierde beſeelt, naͤm⸗ lich die Wonne der Baronin bei einer Gelegenheit zu beobachten, welche reiche Entſchädigung für ein langes Leben im Unglücke bot.

Jede Miene war dem gemäß lebhaft und jede Seele thätig. Als Beweis der Ehrfurcht für die An⸗ weſenheit des Kaiſers verrichtete der Archimandrite, von den Hofſängern unterſtützt, deren Ueberlegenheit im Geſange, im Vergleiche mit dem der päpſtlichen Kapelle, ſelbſt Catalani für unbeſtreitbar erklärte, den Gottesdienſt ſelbſt. Nichts konnte ſo himmliſch ſein, als dieſe Muſik nichts erhebender, als der Anblick der Hierarchie; und die Töne der hochzeitlichen Hymne ſchienen ſich nebſt den Wolken des ausgeſuchten Weih⸗ rauchs in den luftigen Höhen der Kuppel über den Häuptern einer der ſchönſten und glänzendſten Gruppen von menſchlicher Lieblichkeit, welche ich in meinem Leben je zu ſehen das Glück hatte, ſo zu ſagen zu lagern. Die Ceremonie weicht in vielen Dingen von jener der katholiſchen Kirche ab, in welche wir uns hierauf be⸗ gaben. Während des Zuges gingen die Brautjungfern

zwiſchen den Brautführern, oder dem Bräutigam und

der Braut, wie ſie ſich dem Altare nahten, indem ſie brennende Kerzen in ihren Händen trugen. Als Zu⸗ ſatz zu den Ringen von Gold oder Silber, welche ihre Finger in verſchiedener Weiſe ſchmückten, wurden von den Prieſtern auch noch zwei goldene Kronen von

1