56
„Ich denke, er iſt ein geſchickter Mann in ſeiner Profeſſion,“ bemerkte Lord Crawley gleichgültig. Er hielt auf einen in politiſcher Hinſicht ſo einflußloſen Mann, wie Flimflam, ſo wenig, als auf den Kellner Ramſay. Als ſie mit einander in das Geſellſchafts⸗ zimmer eintraten, zog er ſeinen Wirth in ein inneres Cabinet, wo ein helles Feuer brannte, und die Carri⸗ katuren von H. B. zur Unterhaltung für Müſſiggänger aufgehängt waren. Er dachte, eine Zuſammenkunft zwiſchen zwei Perſonen, von denen die eine ein Staats⸗ ſekretär ſei, dürfe ſo wenig durch einen dritten geſtört werden, als das Rendezvous zweier Geliebten.
Er begann ſeine Unterredung mit Hamlyn aus dem Stegreife, und ſagte:„ich habe, mein theurer Hamlyn, nicht nöthig, Ihnen zu bezeugen, daß ich Ihrem Briefe von geſtern, alsbald die höchſte Aufmerkſamkeit geſchenkt habe. Neben bei bin ich halb und halb dazu geneigt, mich über Sie zu beklagen, weil das Erſte, um deſſen Beſorgung ſie ja mich gebeten haben, ſo vollſtändig außerhalb meines Geſchäftskreiſes liegt, daß es mir nicht möglich iſt, in dieſer Sache Etwas für Sie zu thun. Sie können ſich denken, die Ernennung von Conſuln ſteht ganz dem Miniſterium für fremde Angelegenheiten zu. Uebrigens, wie Sie in Ihrem Schreiben mit Recht bemerkten, meine Verwendung konnte einen ſekondären Einfluß ausüben, und ich wandte mich deßhalb unge⸗ ſäumt an meinen erlauchten Collegen. Ich glaube, daß es nöthig iſt, Sie daran zu erinnern, daß wir genöthigt ſind, bei dieſer Art von Verwendung äußerſt ſorgſam zu Werke zu gehen, ſonſt würde am Ende die Sitte auf kommen, Leute zu begünſtigen, die keine Verdienſte aben.“
z„Seien Sie überzeugt, ich habe ein tiefes Gefühl für Ihre Güte,“ entgegnete Hamlyn, in der vollen Ueberzeugung, daß ein Conſulat ſo gut als bereits ge⸗ wonnen ſei, wenn ein königlicher Staatsſekretär beim Miniſterum des Innern ſich für die Sache verwende.


