Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

Jahren in dem fernen Oſten oder Weſten, es für paſſend gehalten, in Cavendiſh⸗Square zu ſpeiſen oder wünſchte ein Voluntär aus der Armee auf Dean⸗Park einen Beſuch zu machen, ſo konnte er zur Stunde und Minute ſeiner Ankunft, der großen Zahl von Schüſſeln auf der Tafel und der aufwartenden Diener, der Aufſtellung von Präſen⸗ tiertellern auf dem Nebentiſch und Carraffen auf dem Haupttiſch ſo gewiß ſein, als wenn ſein Sitz im Speiſe⸗ zimmer blos ſeit dem vergangenen Tag leer geſtanden wäre. Freilich haben anderſeits Leute wie Richard Hamlyn ſelten einen ihnen hinreichend gewogenen Freund, der zu Tiſche käme, oder einen Voluntär aus der Armee, der auf dem Lande einen Beſuch hätte abſtatten mögen.

Als ſeine Frau in ihrem achtzehnten Jahre, in all' ihrer Blüthe der Schönheit und Holdſeligkeit ihres Charak⸗ ters, den Heirats⸗Antrag eines jungen ſchönen Mannes annahm, mit welchem ſie während der londoner Saiſon getanzt hatte, erwartete ſie gewiß, in dem heitern Sohn eines reichen Bankiers, mit welchem ſie zu vermählen, ihre Eltern mit dem höchſten Eifer beabſichtigten, einen ganz andern Mann zu finden. Aber kaum ein Jahr nach ihrer Heirat gab der Tod des ältern Hamkyn dem jungen Paare nicht nur Unabhängigkeit, ſondern auch das Geſchäft der Familie und der Firma ſo vollſtändig in die Hand des Bräutigams, daß er ihn auf einmal zu einem nüch⸗ ternen Geſchäftsmann machte.

Von dieſem Augenblicke an ging für Frau Hamlyn ihr Gemahl in der Perſon eines Bankiers und Teſtaments⸗ Vollſtreckers auf und, da ihre Schwiegermutter bis zu ihrem, einige Jahre nachher erfolgten Tode, noch bei ihnen in Cavendiſh⸗Square und in Dean⸗Park wohnte, machte ſich Richard Hamlyn kein Gewiſſen daraus, ſeine Gemahlin allein zu laſſen und ſich ausſchließlich den Geſchäften zu widmen. Von nun an lebte und webte er und hatte all' ſein Weſen in der Stadt. Seine Träume gingen auf Schreibpulte, ſeine Viſionen auf Anleihen und Schatz⸗ kammerſcheine; und wenn er am Ende der Woche, im

Die Bankiersfrau. I.