78 Leiden des jungen Werther's.
Pfarrhofes, wo die Bäume ſtanden, und verkaufte ſie an den Meiſtbietenden. Sie liegen! O! wenn ich Fürſt wäre! ich wollte die Pfarrerin, den Schulzen und die Kammer — Fürſt!— Ja, wenn ich Fürſt wäre, was kümmerten mich die Bäume in meinem Lande!
Am 16. October.
Wenn ich nur ihre ſchwarzen Augen ſehe, iſt mir es ſchon wohl! Sieh, und was mich verdrießt, iſt, daß Albert nicht ſo beglückt zu ſein ſcheint, als er— hoffte, als ich — zu ſein glaubte, wenn— Ich mache nicht gern Gedan⸗ kenſtriche, aber hier kann ich mich nicht anders ausdrücken — und mich dünkt, deutlich genug.
. Am 12. October.
Oſſian hat in meinem Herzen den Homer verdrängt. Welch eine Welt, in die der Herrliche mich führt! Zu wan⸗ dern über die Heide, umſauſ't vom Sturmwinde, der in dampfenden Nebeln, die Geiſter der Väter, im dämmernden Lichte des Mondes hinführt, zu hören vom Gebirge her, im Gebrülle des Waldſtroms, halb verwehtes Aechzen der Geiſter aus ihren Höhlen, und die Wehklagen des zu Tode
ſich jammernden Mädchens um die vier moosbedeckten, grac⸗
bewachſenen Steine des Edelgefallenen, ihres Geliebten! Wenn ich ihn dann finde, den wandelnden grauen Barden, der auf der weiten Heide die Fußttapfen ſeiner Väter ſucht, und ach! ihre Grabſteine findet, und dann jammernd nach dem lieben Sterne des Abends hinblickt, der ſich in's rol⸗ lende Meer verbirgt, und die Zeiten der Vergangenheit in des Helden Seele lebendig werden, da noch der freundliche Strahl den Gefahren der Tapfern leuchtete, und der Mond ihr bekränztes, ſiegrückkehrendes Schiff beſchien; wenn ich den tiefen Kummer auf ſeiner Stirn leſe, den letzten, verlaſſenen Herrlichen in aller Ermattung dem Grabe zuwanken ſehe, wie er immer neue, ſchmerzlichglühende Freuden in der kraft⸗ loſen Gegenwart der Schatten ſeiner Abgeſchiedenen einſaugt, und nach der kalten Erde, dem hohen, wehenden Graſe nie⸗ derſieht, und ausruft: Der Wanderer wird kommen, kom⸗ men, der mich kannte in meiner Schönheit, und fragen: Wo
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