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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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40 Leiden des jungen Werther's.

ſtirbt, kannſt du von ihm verlangen, er ſolle durch einen Dolchſtoß der Qual auf einmal ein Ende machen? Und

raubt das Uebel, das ihm die Kräfte verzehrt, ihm nicht auch zugleich den Muth, ſich davon zu befreien?

Zwar könnteſt du mir mit einem verwandten Gleich⸗ niſſe antworten: Wer ließe ſich nicht lieber den Arm ab⸗ nehmen, als daß er durch Zaudern und Zagen ſein Leben auf's Spiel ſetzte?— Ich weiß nicht!— und wir wollen uns nicht in Gleichniſſen herumbeißen. Genug— Ja, Wil⸗ helm, ich habe manchmal ſo einen Augenblick aufſpringen⸗ den, abſchüttelnden Muths, und da— wenn ich nur wüßte

wohin? ich ginge wohl.

Abends.

Mein Tagebuch, das ich ſeit einiger Zeit vernachläſſiget, ſiel mir heut wieder in die Hände, und ich bin erſtaunt, wie ich ſo wiſſentlich in das alles, Schritt vor Schritt, hinein⸗ gegangen bin; wie ich über meinen Zuſtand immer ſo klar geſehen, und doch gehandelt habe wie ein Kind, jetzt noch ſo klar ſehe, und es noch keinen Anſchein zur Beſſerung hat!

Am 10. Auguſt. Ich könnte das beſte, glücklichſte Leben führen, wenn ich

nicht ein Thor wäre. So ſchöne Umſtände vereinigen ſich

nicht leicht, eines Menſchen Seele zu ergötzen, als die ſind, in denen ich mich jetzt befinde. Ach! ſo gewiß iſt's, daß unſer Herz allein ſein Glück macht.— Ein Glied der lie⸗ benswürdigſten Familie zu ſein; von dem Alten geliebt zu werden wie ein Sohn, von den Kleinen wie ein Vater; und von Lotten!— dann der ehrliche Albert! der durch keine launiſche Unart mein Glück ſtört; der mich mit herz⸗ licher Freundſchaft umfaßt; dem ich nach Lotten das Liebſte auf der Welt bin!— Wilhelm, es iſt eine Freude, uns zu hören, wenn wir ſpazieren gehen, und uns einander von Lotten unterhalten: es iſt in der Welt nichts Lächerli⸗ cheres erfunden worden als dieſes Verhältniß, und doch kommen mir oft darüber die Thränen in die Augen.

„Wenn er mir von ihrer rechtſchaffenen Mutter erzählt, wie ſie auf ihrem Todbette Lotten ihr Haus und ihre