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Leiden des jungen Werther's.* Wonne des Menſchen fühlen kann, der ein Krauthaupt auf
ſeinen Tiſch bringt, das er ſelbſt gezogen, und nun nicht
den Kohl allein, ſondern all die guren Tage, den ſchönen Morgen, da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er
ihn begoß und da er an dem fortſchreitenden Wachsthum 1
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ſeine Freude hatte, alle in Einem Augenblicke wieder mit⸗ genießt.
Am 29. Junius.
Vorgeſtern kam der Medieus hier aus der Stadt hin⸗ aus zum Amtmann, und fand mich auf der Erde unter Lottens Kindern, wie einige auf mir herumkrabbelten, an⸗ dere mich neckten, und wie ich ſie kitzelte, und ein großes Geſchrei mit ihnen erregte. Der Doctor, der eine ſehr dog⸗
matiſche Drahtpuppe iſt, unter'm Reden ſeine Manſchetten
in Falten legt und einen Kräuſel ohne Ende herauszupft, fand dieſes unter der Würde eines geſcheidten Menſchen; das merkte ich an ſeiner Naſe. Ich ließ mich aber in nichts ſtö⸗ ren, ließ ihn ſehr vernünftige Sachen abhandeln, und baute den Kindern ihre Kartenhäuſer wieder, die ſie zerſchlagen hatten. Auch ging er darauf in der Stadt herum, und be⸗ klagte, des Amtmanns Kinder wären ſo ſchon ungezogen genug, der Werther verderbe ſie nun völlig.
Ja, lieber Wilhelm, meinem Herzen ſind die Kinder am nächſten auf der Erde. Wenn ich ihnen zuſehe, und in dem kleinen Dinge die Keime aller Tugenden, aller Kräfte ſehe, die ſie einmal ſo nöthig brauchen werden; wenn ich in dem Eigenſinne künftige Standhaftigkeit und Feſtigkeit des Cha⸗ rakters, in dem Muthwillen guten Humor und Leichtigkeit, über die Gefahren der Welt hinzuſchlüpfen, erblicke, alles ſo unverdorben, ſo ganz!— immer, immer wiederhole ich dann die goldenen Worte des Lehrers der Menſchen: Wenn ihr nicht werdet wie eines von dieſen! Und nun, mein
Beſter, ſie, die unſeres Gleichen ſind, die wir als unſere 1 Muſter anſehen ſollten, behandeln wir als Unterthanen. Sie ſollen keinen Willen haben!— Haben wir denn keinen?
Und wo liegt das Vorrecht?— Weil wir älter ſind und geſcheidter!— Guter Gott von deinem Himmel! alte Kin⸗
der ſiehſt du, und junge Kinder, und nichts weiter; und an
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