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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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Leiden des jungen Werther's. 25

inneren Trieb, ſich der Einſchränkung willig zu ergeben, in dem Gleiſe der Gewohnheit ſo hinzufahren, und ſich weder

um Rechts noch um Links zu bekümmern.

Es iſt wunderbar, wie ich hierher kam, und vom Hügel in das ſchöne Thal ſchaute, wie es mich rings umher an⸗ zog. Dort das Wäldchen! Ach, könnteſt du dich in ſeine Schatten miſchen! Dort die Spitze des Berges! Ach, könnteſt du von da die weite Gegend überſchauen! Die in einander geketteten Hügel und vertraulichen Thäler! O, könnte ich mich in ihnen verlieren! Ich eilte hin, und kehrte zurück, und hatte nicht gefunden, was ich hoffte. O, es iſt mit der Ferne, wie mit der Zu⸗ kunft! Ein großes dämmerndes Ganzes ruht vor unſerer Seele; unſere Empfindung verſchwimmt darin, wie unſer Auge, und wir ſehnen uns, ach! unſer ganzes Weſen hin⸗ zugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, großen, herr⸗ lichen Gefühls ausfüllen zu laſſen. Und, ach! wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, iſt alles vor wie nach, und wir ſtehen in unſerer Armuth, in unſerer Eingeſchränktheit, und unſere Seele lechzt nach entſchlüpf⸗ tem Labſale.

So ſehnt ſich der unruhigſte Vagabund zuletzt wieder nach ſeinem Vaterlande, und findet in ſeiner Hütte, an der Bruſt ſeiner Gattin, in dem Kreiſe ſeiner Kinder, in den Geſchäften zu ihrer Erhaltung, die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens ſuchte. 3

Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinaus gehe nach meinem Wahlheim, und dort im Wirthsgarten

mir meine Zuckererbſen ſelbſt pflücke, mich hinſetze, ſie ab⸗

fädne, und dazwiſchen in meinem Homer leſe, wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aus⸗ ſteche, meine Schoten an's Feuer ſtelle, zudecke, und mich dazu ſetze, ſie manchmal umzuſchütteln: da fühl' ich ſo leb⸗

haft, wie die übermüthigen Freier der Penelope Ochſen und

Schweine ſchlachten, zerlegen und braten. Es iſt nichts, das mich ſo mit einer ſtillen, wahren Empfindung ausfüllte, als die Züge patriarchaliſchen Lebens, die ich, Gott ſei Dank! ohne Affeetation in meine Lebensart verweben kann.

Wie wohl iſt mir's, daß mein Herz die ſimple, harmloſe