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O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Bruſt,
Die eine will ſich von der andern trennen;
Die eine haͤlt, in derber Liebesluſt,
Sich an die Welt, mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltſam ſich vom Duſt
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O giebt es Geiſter in der Luft,
Die zwiſchen Erd' und Himmel herrſchend weben,
So ſteiget nieder aus dem goldnen Duft
Und führt mich weg, zu neuem buntem Leben!
Ja, waͤre nur ein Zaubermantel mein!
und trüg' er mich in fremde Länder,
Mir ſollt' er um die köſtlichſten Gewaͤnder,
Nicht feil um einen Koͤnigsmantel ſeyn. Wagner.
Berufe nicht die wohlbekannte Schaar,
Die ſtroͤmend ſich im Dunſtkreis überbreitet,
Dem Menſchen tauſendfaͤltige Gefahr,
Von allen Enden her, bereitet.
Von Norden dringt der ſcharfe Geiſterzahn
Auf dich herbei, mit pfeilgeſpitzten Zungen;
Von Morgen ziehn, vertrocknend, ſie heran,
Und nähren ſich von deinen Lungen;
Wenn ſie der Mittag aus der Wüſte ſchickt,
Die Gluth auf Gluth um deinen Scheitel häufen,
So bringt der Weſt den Schwarm, der erſt erquickt,
Um dich und Feld und Aue zu erſäufen.
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil ſie uns gern betrügen, Sie ſtellen wie vom Himmel ſich geſandt, Und lispeln engliſch, wenn ſie lügen.
Doch gehen wir! Ergraut iſt ſchon die Welt, Die Luft gekühlt, der Nebel fällt!
Am Abend ſchätzt man erſt das Haus.—


