Teil eines Werkes 
3. Bd. (1816) Werke
Einzelbild herunterladen

440*

Kind ungeſchickt war, ſondern damit es ſich deſto ge⸗

wiſſer und anhaltender geſchickt zeigen moͤge. So gab

man ehemals, indem ein Graͤnzſtein geſetzt wurde, den umſtehenden Kindern tuͤchtige Ohrfeigen, und die aͤlteſten Leute erinnern ſich noch genau des Ortes und der Stelle. Er wuchs heran, und zeigte außerordentliche Faͤhigkei⸗ ten des Geiſtes und Fertigkeiten des Koͤrpers, und da⸗ bey eine große Biegſamkeit ſowol in ſeiner Vorſtel⸗ lungsart, als in Handlungen und Geberden. Seine Nachahmungsgabe uberſtieg allen Glauben. Schon als Knabe ahmte er Perſonen nach, ſo daß man ſie zu ſe⸗ hen glaubte, ob ſie ihm ſchon an Geſtalt, Alter und Weſen voͤllig unaͤhnlich und unter einander verſchieden waren. Dabey fehlte es ihm nicht an der Gabe, ſich in die Welt zu ſchicken, und ſobald er ſich einigermaßen ſeiner Kraͤfte bewuſſt war, fand er nichts naturlicher, als ſeinem Vater zu entfliehen, der, wie die Vernunft des Knaben zunahm, und ſeine Geſchicklichkeit ſich ver⸗ mehrte, ihnen noch durch harte Phadegnung nachzuhelfen fuͤr nothig fand.

Wie gluͤcklich fuͤhlte ſich der loſe Knabe nun in der freyen Welt, da ihm ſeine Eulenſpiegelspoſſen uberall eine gute Aufnahme verſchafften. Sein guter Stern fuͤhrte ihn zuerſt in der Faſtnachtszeit in ein Kloſter, wo er, weil eben der Pater, der die Umgaͤnge zu be⸗ ſorgen, und durch geiſtliche Maskeraden die chriſtliche Gemeinde zu ergetzen hatte, geſtorben war, als ein