4²⁸
zu thun. Man konnte auch hier wieder bemerken, daß bey einer großen Anſtrengung ſie nur ſchwer und muͤhſam begriff. So war auch ihre Handſchrift, mit der ſie ſich viele Muͤhe gab. Sie ſprach noch immer ſehr gebrochen Deutſch, und nur wenn ſie den Mund zum Singen auf⸗ that, wenn ſie die Zither ruͤhrte, ſchien ſie ſich des einzi⸗ gen Organs zu bedienen, wodurch ſie ihr Innerſtes auf⸗ ſchließen und mittheilen konnte.
Wir muſſen, da wir gegenwaͤrtig von iör ſprechen, auch der Verlegenheit gedenken, in die ſie ſeit einiger Zeit unſern Freund oͤfters verſetzte. Wenn ſie kam oder ging, guten Morgen, oder gute Nacht ſagte, ſchloß ſie ihn ſo feſt in ihre Arme, und küſſte ihn mit ſolcher Inbrunſt, daß ihm die Heftigkeit dieſer aufkeimenden Natur oft angſt und bang machte. Die zuckende Leb⸗ haftigkeit ſchien ſich in ihrem Betragen taͤglich zu ver⸗ mehren, und ihr ganzes Weſen bewegte ſich in einer raſtloſen Stille. Sie konnte nicht ſeyn, ohne einen Bind⸗ faden in den Haͤnden zu drehen, ein Tuch zu kneten, Papier oder Hoͤlzchen zu kauen. Jedes ihrer Spiele ſchien nur eine innere heftige Erſchuͤtterung abzuleiten. Das Einzige, was ihr einige Heiterkeit zu geben ſchien, war die Naͤhe des kleinen Felix, mit dem ſie ſich ſehr anig abzugeben wuſſte.
Aurelie, die nach einiger Ruhe geſtimmt war, ſich
mit ihrem Freunde uͤber einen Gegenſtand, der ihr ſo
ſehr am Herzen lag, endlich zu erklaͤren, ward uͤber die


