Neuntes Capitel.
So brachte Wilhelm ſeine Naͤchte im Genuſſe ver⸗ traulicher Liebe, ſeine Tage in Erwartung neuer ſeliger Stunden zu. Schon zu jener Zeit, als ihn Verlangen und Hoffnung zu Marianen hinzog, fuhlte er ſich wie neu belebt, er fuͤhlte, daß er ein anderer Menſch zu werden beginne; nun war er mit ihr vereinigt, die Be⸗ friedigung ſeiner Wuͤnſche ward eine reizende Gewohn⸗
heit. Sein Herz ſtrebte, den Gegenſtand ſeiner Leiden⸗ ſchaft zu veredeln, ſein Geiſt, das geliebte Maͤdchen mit ſich empor zu heben. In der kleinſten Abweſenheit ergriff ihn ihr Andenken. War ſie ihm ſonſt nothwendig geweſen, ſo war ſie ihm jetzt unentbehrlich, da er mit allen Banden der Menſe chheit an ſie geknuͤpft war. Seine reine Seele fuͤhlte, daß ſie die Haͤlfte, mehr als die Haͤlfte ſeiner ſelbſt ſey. Er war dankbar und hingege⸗ ben ohne Graͤnzen. 3 Auch Mariane konnte ſich eine Zeitlang taͤuſchen; ſie theilte die Empfindung ſeines lebhaften Gluͤcks mit ihm. Ach! wenn nur nicht manchmal die kalte Hand des
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