Teil eines Werkes 
3. Bd. (1816) Werke
Einzelbild herunterladen

Dieſes Spiel, das die andern ſehr unterhielt, war kaum etlichemal getrieben worden, als es mich ſchon

nicht mehr befriedigte. Der Anblick ſo vieler geruͤſteten

Geſtalten muſſte in mit nothwendig die Ritter⸗Ideen aufreizen, die ſeit einiger Zeit, da ich in das Leſen al⸗ ter Romane gefallen war, meinen Kopf anfuͤllten.

Das befreyte Jeruſalem, davon mir Koppens Ueber⸗

ſetzung in die Haͤnde fiel, gab meinen herumſchweifen⸗ den Gedanken endlich eine beſtimmte Richtung. Ganz konnte ich zwar das Gedicht nicht leſen; es waren aber Stellen, die ich auswendig wuſſte, deren Bilder mich umſchwebten. Befonders feſſelte mich Chlorinde mit ih⸗ rem ganzen Thun und Laſſen. Die Mannweiblichkeit, die ruhige Fuͤlle ihres Daſeyns, thaten mehr Wirkung auf den Geiſt, der ſich zu entwickeln anfing, als die gemachten Reize Armidens, ob ich gleich ihren Garten nicht verachtete.

Aber hundert und hundertmal, wenn ich Abends auf dem Altan, der zwiſchen den Giebeln des Hauſes an⸗ gebracht iſt, ſpazirte, über die Gegend hinſah, und von der hinabgewichenen Sonne ein zitternder Schein am Horizont heraufdaͤmmerte, die Sterne hervortraten, aus allen Winkeln und Tiefen die Nacht hervordrang, und der klingende Ton der Grillen durch die feyerliche Stille

ſchrillte, ſagte ich mir die Geſchichte des traurigen Zweu⸗

kampfs zwiſchen Tancred und Chlorinden vor. So ſehr ich, wie billig, von der Partey der Chri⸗ Goethe's Werke. III. Bd. 3

——

———