Teil eines Werkes 
5. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

211

Eugenie erhob den Kopf und ließ ihren träumeriſchen Blick durch den Saal irren. War es magnetiſche Gewalt, die ihr Auge plötzlich mit jenem andern zu⸗ ſammentreffen ließ, das an ihr hing, als gälte es Tod oder Leben? Sie ſenkte es nicht; leuchtend, tief, uner⸗ meßlich tief ruhten über den Raum hinweg, der ſie trennte, die Augen ineinander. Nur für einen Moment. Dann ſchob ſich durch den Saal fluthende allgemeine Bewegung als Schranke vor das ſtummberedte Er⸗ kennen.

Unter Anführung der Präſidentin, deren füllreiche Geſtalt in wunderbarer Beweglichkeit bald hierhin, bald dorthin kugelte, begann die Vertheilung der Ge⸗ ſchenke. Ein Schwarm junger Mädchen, theils zum heutigen Feſte geladen, theils Pflegerinnen des Hauſes, trug all die kleinen Gaben gleichzeitig in verſchiedene Richtung und theilte mit lächelnder Freude den Weih⸗ nachtsgruß in all die heiter dargeſtreckten Hände aus. Eugenie hatte an einem der Tiſche Poſten genommen und reichte den hin und wieder Schwärmenden uner⸗ müdlich die Geſchenke zu. Schon war das Meiſte ausgetheilt, als die Präſidentin zu ihr kam und bittend ſagte:Nun Eugenichen, heute müſſen Sie lieb und gut ſein und mir auch einmal einen Gefallen thun!

Ja? Bringen Sie meinem armen Triefels ein Geſchenk! 14*