Teil eines Werkes 
4. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

ſehr einfach, und da ich anfangs feſt überzeugt war, daß es ſich nur um eine kurze Zeit handeln würde, gab ich um ſo leichter nach, als mir der ganze Plan gefiel. Du haſt ja ſelbſt geſehen, lieber Bruder, wie prächtig wir uns als Mann und Frau vertragen ha⸗ ben. Trotzdem wurde mir etwas bange, als gar keine Ausſicht einer Löſung dieſer Verhältniſſe ſich zeigen wollte; freilich hatte ich kaum zu fürchten, erkannt und dadurch in Verlegenheit gebracht zu werden, denn ſeit Jahren war ich meiner Ausbildung halber in Deutſch⸗ land geweſen, und nur wenige Perſonen im Vaterlande kannten mich als Erwachſenen. Die unbeſtimmten Be⸗ fürchtungen, die mich wegen Martha's Zukunft ergriffen, wuchſen aber zu bitterer Reue, als Du, liebſter Freund, uns näher trateſt, als ich überſah, wie ſchmerzlich der gefaßte Entſchluß in das Leben meiner Schweſter ein⸗ griff, und doch nicht im Stande war, dies zu ändern. Manchen ſchmerzlichen Kampf habe ich beſtanden, um Dir die Wahrheit zu verbergen, aber mein eidliches Verſprechen band mich, und hätte ich Dir nur ſagen wollen, daß Martha meine Schweſter und nicht mein Weib ſei, und alle Gründe dieſer ſeltſamen Stellung verſchweigen müſſen, ſo ward die Lage des armen Kindes in Deinen Augen nur noch zweideutiger. Ver⸗

gib mir darum, was Du gelitten haſt, beſter Arnold 13*