Seit früheſter Jugend galt ich, nicht mit Unrecht, für einen Muſiknarren. Die Verlockung eines guten Concertes bedrängte mich heißer, als dem heiligen An⸗ tonius von Padua durch alle Verſuchungen geſchah, und ſtürzte mich in Conflikte mit Pflicht und Gewiſſen, wenn mitunter beſonders Schönes winkte. Denn leider mußte alles Vortreffliche auswärts geſucht werden; die kleine Univerſitätsſtadt, an welche Profeſſur und ärzt⸗ liche Praxis mich längere Zeit band, war, wenn auch nicht von den Grazien, doch von den Muſen gänzlich verlaſſen. Was man dort ein Concert nannte, war mir wiederholt zu ſolcher Folter geworden, daß ich es verſchwor, mich ſolcher Mißhandlung ferner auszuſetzen. Eines Tages that ich es aber doch.
Eine junge Violinvirtuoſin berührte auf ihrer erſten Kunſtreiſe unſere Stadt; die muſikaliſchen Zeitſchriften
rühmten ihr Talent, und ich mochte die Gelegenheit, 1*


