173
„Sieh',“ ſagte ſie zu ihr,„der edle junge Mann, der ſich für Euch geopfert hat, iſt nun todt, und Deine Aufgabe wird es ſein, den Zweck zu erfüllen, den er mit der Hingabe ſeines Lebens für Dich im Auge hatte. Nicht durch unnützen Jammer und leere Klagen kannſt Du ſein Andenken ehren, ſondern nur dadurch, daß Du in ſeinem Sinne handelſt und ſein Opfer nicht nutzlos verſchwendeſt.“ 9
Luiſe hörte ſtill und aufmerkſam zu.
„Gewiß“ ſagte ſie, als Marie geendigt hatte, „ich werde ſein Opfer ehren. Nicht dadurch allein, daß ich Richard's Gattin werde, ſondern dadurch, daß ich jeden Augenblick meines Lebens den Gedan⸗ ken vor Augen halten will, wie koſtbar und theuer mein Glück erkauft wurde. Und ſo will ich es denn nicht leichtſinnig hinnehmen wie ein gewöhnliches Geſchenk, ſondern ich will es bezahlen, indem ich es hinfort mit dem Glücke meines Gatten auch dem Wohle und dem Glücke andrer Menſchen weihe. Noch aber kann ich Richard nicht ſehen. Erſt muß der Todte beſtattet ſein und ſein Andenken geehrt, dann gehen wir an die Erfüllung ſeines letzten Wil⸗ lens. 2. Bald darauf empfing Luiſe auch den Beſuch des alten Barons. Er war an jenem Schreckens⸗


