21
Hauſe eben ſo wenig gegönnt, wie er mich in ſeinem Herzen geduldet hat. Wir ſind ihm fremd, und nicht nur fremd, wir ſind ihm zu ſchlecht, eine verhaßte Laſt, die er nicht los werden kann und deren er ſich ſchämt vor ſeinen Mitmenſchen und vor ſich ſelbſt. Ach Samuel, hätteſt Du mich damals ermorden laſ⸗ ſen, als ich in den Händen der Räuber war, Du hätteſt mir viel Herzeleid erſpart in meinem Leben! Wer weiß, ob ich Deinen Liebesdienſt nicht noch muß fluchen, den Du mir damals erwieſen haſt.“
„Und damals konntet Ihr mir doch nicht genug danken, daß es geſchehen,“ entgegnete der kranke Die⸗ ner,„aber hört, da es nun doch mit mir zu Ende geht, ſollt Ihr die Wahrheit erfahren. Euren Dank ließ ich mir gefallen und er hat mir wohlgeſchmeckt mein ganzes Leben lang; Euern Fluch will ich nicht haben, am wenigſten unverdient, und träfe er mich auch erſt im Grabe. Ich habe Euch damals ge⸗ täuſcht: wie hätte ich elender, einzelner Menſch Euch retten können, da ich ſelbſt vor Angſt halb todt war und vier Mann gegen mich. Ihr waret zu leicht⸗ gläubig, daß Ihr das ſo annahmt auf's Wort. Ich war's nicht, der Euch das Leben gerettet hat.“
Ein Ruf des Erſtaunens entfuhr beim Anhören dieſer Worte den Lippen des alten Goldheim.„Wie?“


