Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

herabgeſenkt. Trübe Gedanken lagern auf ſeiner Stirne, die von Sorgen und Kummer in den letzten Wochen tief gefurcht worden iſt. Das unſtete Weſen ſeines einzigen Sohnes entfernt ihn mehr und mehr von dieſem, und da er deſſen Natur nicht begreifen kann, ſo hat er die Hoffnung aufgegeben, ihn nach ſeinem Willen lenken zu wollen. Simon war in der letzten Zeit in eine dumpfe, brütende Schwermuth verfallen. Aus ſeinen Träumereien weckte ihn mit⸗ unter ein ſonderbarer Anfall, der plötzlich über ihn kam, die unterdrückte Natur des Künſtlers in ihm aufſtachelte und ihn zu wilden, regelloſen Phantaſien an das Inſtrument trieb, wo er dann das Toben ſeiner Bruſt ausſtürmte, bis er endlich, in lautes Weinen ausbrechend, Erleichterung zu finden ſchien. So vergingen die Tage traurig in dem ſtillen Hauſe und nun da der alte Diener zum Sterben kam, ſaß der gebeugte Mayer Goldheim da und überdachte, was ihm von den Beſtrebungen und Hoffnungen ſeines Lebens übrig geblieben ſei. So oft hatte er ſich über die Unredlichkeiten und Schelmenſtücke des alten Samuel geärgert, aber die lange Reihe der Jahre, in denen dieſer, wenn auch ohne eigentliche Theilnahme, der Zeuge ſeiner Lebensſchickſale geweſen, hatte ihm denſelben näher geſtellt und ließen ihn