Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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rend ſie ſich öffentlich dem Fürſten verband, um deſ⸗ ſen Titel und Reichthümer zu erben.

Indem er Mariens Brief feſter an ſein Herz drückte, ſagte er halblaut vor ſich hin:Wie viel beſ⸗ ſer iſt es doch in unſerm kälteren Deutſchland, wo zwar kein ewig heiterer Himmel lacht, wo aber die Frauen doch Herzen in der Bruſt haben, die edel empfinden und niedrige Geſinnung verachten.

Am folgenden Morgen erhielt Richard in aller Frühe einen Brief von Aurora, worin ſie ihn be⸗ ſchwor, ſie zu beſuchen. Sie verſicherte ihn darin mit den leidenſchaftlichſten Ausdrücken ihrer Liebe und betheuerte, daß ſie ohne ſeine Gegenwart ſich als die Braut des Fürſten höchſt unglücklich fühlen würde.

Richard konnte dieſen Widerſpruch in der Seele der jungen Italienerin nicht begreifen. Daß ſie in der Ehe nur eine geſellſchaftliche Rückſicht ſah, die mit der Naturnothwendigkeit der Liebe durchaus nicht verbunden ſein müſſe, war ihm ein Räthſel. Nach ſeiner Anſchauung ging das ideale Verhältniß der Liebenden in das reale der Ehe über, und beide durchdrangen ſich zum wahren Lebensglück; da er aber weder in der Ehe blos die Bequemlichkeit und das Herkömmliche des äußern Lebens, noch in der