Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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286 ſcheint, und vor deſſen Augen der Schatten des Todes, der ſeine Sinne ſo feſt umſpannt hielt, noch nicht wieder ge⸗ wichen iſt.

Byrnewoods Blick war ſtier vor ſich auf den Teppich geheftet, denn dort— dort— hingeſtreckt, beſinnungs⸗ und regungslos lag Marie Arlington zu des Bruders Füßen.

Er ſank ſtill auf die Knie nieder.

Er nahm ihre kleine weiße Hand, jetzt marmorkalt, in die ſeinige; er ſtrich die aufgelöſten Locken aus ihrer bleichen Stirn zurück; ihre Augen waren wie im Tode geſchloſſen, ihre Wangen zwar bleich, doch mit einem hecktiſch glühen⸗ den Fleck im Mittelpunkt.

Byrnewood ſtieß aber keinen Schrei aus— er äußerte keine Sylbe, nicht der Drohung, der Rache oder der Ver⸗ zweiflung, ſchweigend nur umhüllte er mit dem weiten Nacht⸗ gewand die holde Geſtalt, ſchweigend nur bog er ſich nieder zu ihr, und drückte einen leiſen— leiſen Kuß auf die kalte, weiße Stirn.

„Meine Schweſter!“ rief er endlich, während er mit wild verworrenem Blicke, wie ſein nur halbbewußt, umher⸗ ſchaute—„meine Schweſter.“ Und empor hob er die leichte Geſtalt vom Boden, und preßte Kuß nach Kuß auf die ſüßen, bleichen Lippen. Keine Thräne tröpfte von ſeinen Wim⸗ pern, kein Seufzer hob ſeine Bruſt— kein Wort des Zornes verrieth das Gefühl, das in ſeinem Inneren tobte.