Vierzehntes Capitel.
Das verbrecheriſche Weib.
Der Kaufmann ſtand, die Blendlaterne in hoch geho⸗ 6 bener Hand neben dem Bett, deſſen Umriſſe von ihrem Strahl erleuchtet waren, während der Raum hinter ihm in tiefer Nacht und Finſterniß lag.
Lange ſeidene, azurne Vorhänge fielen in ſchweren, rei⸗ chen Falten bis auf den weichen Teppich hernieder, und ver⸗ ſchloſſen das Innere des Lagers den Blicken des Lauſchen⸗ den, während der leiſe, ſanfte Laut, das ruhige Athmen eines ſchlummernden Weibes, ſäuſelnd und ſtill in ſein Ohr klang.
Livingſtone trat vor; wenn aber auch, in der Art wie er die Laterne hielt, ſein Antlitz im Dunkeln blieb, ſo ließ ſich die Erregung ſeines ganzen Weſens leicht aus dem Zit⸗ tern ſtiner Glieder erkennen, und in dem Verſuch ein Stöh⸗ nen und einen Schmerzruf gewaltſam zu unterdrücken, ent⸗ rang ſich ein gurgelnder Klang ſeiner Kehle, wie das letzte Todesröcheln eines Sterbenden.
Mit flüchtigem Blick überflog er das ganze Aeußere des


