„Der Herr Geheime Medicinalrath geruhen zu phantaſiren, die Braut ſoll er ſich wohl im Vor⸗ beigehen aufgeleſen haben.“
„Bitte um Entſchuldigung,“ entgegnete von Zädnitz mit der boshafteſten Gefliſſenheit,„er hat um ſie nach alten Rechten und Gebräuchen ge⸗ worben— wahrſcheinlich, um Comteſſe Ralphen zu beweiſen, daß er nicht um eine gute Partie verlegen zu⸗ſein braucht— und die junge Vürſtin ſoll eine der erſten Partien in Petersburg ſein.“
„Es iſt eine boshafte Erfindung von Ihnen,“ ſagte Fräulein von Zahbern, indem ihr Antlitz eine faſt dunkle Färbung annahm und ihre Augen wie ein Paar Brillanten leuchteten.
„Dann habe ich auch wahrſcheinlich dieſen Brief gefälſcht,“ ſagte der Geheime Medicinalrath, indem er ein Couvert aus der Taſche und ſorgfältig und ſehr langſam ein zierliches Billet aus dieſem nahm. Höchſt vorſichtig und umſtändlich faltete er es da⸗ bei auseinander, indeß Fräulein Francisca wie auf Nadeln neben ihm ſtand und ſich augen⸗ ſcheinlich alle Gewalt anthun mußte, es ihm nicht aus den Fingern zu reißen. Der Geheime Me⸗ dicinalrath ſah das auch recht gut, wenn ſein Auge
aauch nicht nach ihr hinüberflog, und ein leiſes
Lächeln zuckte ihn dabei um die dünnen Lippen.


