„Meine liebe, liebe Mutter!“ flüſterte Melanie⸗
an der Mutter Bruſt,„ich habe ihn ja immer geliebt— und bin ſo glücklich jetzt— ſo her⸗ zensfroh!“
„Aber, liebes Kind,“ ſagte die alte Excellenz beſtürzt,„das iſt— Herr Graf, Sie entſchuldigen — eine Wendung, auf die ich in der That nicht gefaßt war. Graf Selikoff ſchreibt mir ſo eben, daß er Dich um Deine entſcheidende Antwort bittet, da er in wenigen Tagen hier wieder eintreffen will.“
„Nun, da iſt ja noch gar nichts verſäumt,“
lachte Herr von Ralphen gutmüthig—„da kann
er's ja noch immer bis dahin erfahren.“
„Aber, Melanie!“ rief Frau von Ralphen.
„Haſt Du dem Grafen Selikoff ein Verſprechen gegeben?“
„Nein, Papa.“
„Oder ihm Hoffnungen gemacht?“
„Nie,“ ſagte Melanie mit feſter Stimme, ihrem Vater dabei offen in's Auge ſchauend.
„Bon!“ ſagte der alte Herr, ſich vergnügt die Hände reibend.„Der Selikoff iſt ein herzens⸗ guter und ganz geſcheidter Menſch, mit dem man recht angenehmen Umgang haben kann, und
hätte ihn Melanie zu ihrem Gatten gewählt, 12*
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