Teil eines Werkes 
3. Bd. (1861)
Entstehung
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Ja, Comteſſe mit meiner Mutter. Die Gräfin Geyerſtein hat mich heute Morgen durch ihre Ankunft überraſcht. Ich habe eine Beſitzung in Ungarn gekauſt, die ich ſelber zu bewirthſchaften gedenke.

Mit Ihrer Mutter? rief Melanie erſtaunt.

Finden Sie das ſo außerordentlich, Comteſſe? Wir haben ſo lange getrennt gelebt, daß wir Beide das Bedürfniß fühlen, von jetzt an einander näher zu ſtehen. Meine Familie wird von da an auch das Einzige ſein, auf das ich angewieſen bleibe..

Melanie neigte leiſe das Haupt, erwiderte aber nichts. Sollte die alte, ſtolze Gräfin Geyerſtein ein ſolches Verhältniß billigen können? Sollte ſich der Graf ſelber ſo weit vergeſſen, jener Frau die Hand zu reichen? Die Gedanken tauchten in ihr auf, ohne daß ſie ſich ſelber Rechenſchaft zu geben wußte. Das Geſpräch überhaupt wurde ihr peinlich ſie wünſchte, daß ihr Vater zurück⸗ komme, und mehr um die drückend werdende Stille zu unterbrechen, als eine Antwort zu erhalten, ſagte ſie nach einer Pauſe:Sie hatten noch ein anderes Gut, wenn ich nicht irre, Schildheim?

Allerdings, Comteſſe.

Es ſoll reizend gelegen ſein.