24.
Georgine war angekleidet und ſaß über einen Brief brütend in ihrer Stube, deren Riegel ſie vorgeſchoben hatte. Wieder und wieder las ſie das Schreiben durch, und dann, als ob ihr der Inhalt keine Ruhe laſſe, ſprang ſie auf und ging mit feſtverſchränkten Armen und raſchen Schritten in dem Gemache auf und ab.
„Und wer könnte mich tadeln, wenn ich meinem Willen folgte?“ murmelte ſie dabei leiſe vor ſich hin.„Liebt das gefangene Thier nicht ſeine Freiheit und ſucht ſie wieder zu erlangen, wie viel mehr denn der Menſch, dem die Natur nicht um⸗ ſonſt den kühnen Geiſt gegeben!— Und bin ich weniger als eine Gefangene in dieſem öden, ab⸗ gelegenen Hauſe, das ich nur wie der an einen Faden gebundene Vogel verlaſſen darf, hieher zu⸗ rückzukehren, wenn es meinem Herrn gefällt, mich wieder an dem Seile einzuziehen? Gift und


