oft wie durch eine Art von Inſtinct zu erkennen ſcheinen. Im Guten wie im Böſen zeigt ſich das, und wie ſich ein braver, rechtlicher Mann von dem offenen und ehrlichen Auge eines oft ganz Fremden angezogen fühlt, ſo kann der Lump oder Verbrecher gerade das offene und ehrliche Auge nicht leiden, fühlt ſich aber augenblicklich heimiſch, wo er die Gewißheit findet das zu treffen, was er ſelber zu ſeinem eigenen Wohlbehagen braucht: Genoſſenſchaft im Laſter und ein ſchlechtes Ge⸗ wiſſen. Zu dem Erſten müßte er aufblicken, das iſt ihm unbequem— zu dem Andern ſagt er Du — wenn auch nicht immer gleich wörtlich, doch immer gleich im Geiſte, und die Geſellſchaft iſt ihm gerade recht.
„Guten Morgen, Schneider, wie geht's?“ redete auch deshalb der Fremde den am Fenſter ſitzenden Juſtus an, als ob ſie ſeit Jahren Freunde ge⸗ weſen wären, und nicht erſt heute oder geſtern erfahren hätten, daß ſie gegenſeitig auf der Welt wären—„immer ſo fleißig?“
„Muß ja wohl,“ lautete die für jetzt noch aus⸗ weichende Antwort des Arbeitenden, dem der Fremde zu raſch gekommen war, um ſich gleich in ihn hin— ein zu finden;„wohl erſt neulich angekommen?“


