Teil eines Werkes 
2. Bd. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Könnern, vollſtändig mit ſeiner Arbeit beſchäf⸗ tigt, hatte ſeine Nähe ſchon faſt ganz vergeſſen und entwarf raſch und mit kecken Strichen die Umriſſe des kleinen, freundlichen Bildes, als der junge Mann an ſeiner Seite plötzlich mit leiſer Stimme fragte:.

„Glauben Sie an Träume?“ Er hob dabei das bleiche, ausdrucksvolle Antlitz zu dem Maler und ſchaute ihn mit den dunkeln Augen ſcharf und forſchend an.

„Nein,“ lächelte Könnern, ohne ſich in ſeiner Beſchäftigung ſtören zu laſſen. Er zeichnete ge⸗ rade Meier's Haus, das eigentlich den Vorder⸗ grund zu der Skizze bilden ſollte, und wieder und wieder flog ſein Blick hinüber.

„Ich dachte es mir,“ erwiederte ruhig der Frager und ließ den Kopf wieder ſinken—„die wenigſten Menſchen glauben an Träume, und doch ſind ſie nur zu oft das Spiegelbild unſerer Seele, von der wir allein auf dieſe Weiſe Etwas zu ſehen bekommen können.“ 4

„Das wäre ein eigenthümliches Spiegelbild,“ lachte Könnern kopfſchüttelnd,„das mir Etwas zeigt, an das meine Seele das ganze Jahr nicht gedacht hat. Iſt man denn im Stande das zu träumen, was man ſich erſehnt?— nie! Wir