130 Die rechte Löwenjagd in Algier.*
indem er ſich katzenartig duckte. Ich vermuthete, daß der Strick, mit welchen die Ziege angebunden, ihn beunruhige und ich zweifelte nicht, daß er einen Hinterhalt fürchte als ich ihn unruhig am Rande der Lichtung hin und her gehen und beim Stehenbleiben mir die Zähne zeigen ſah.
Die Sache wurde zu ernſthaft; es war Zeit ein Ende zu machen. Ich benutzte alſo den Augenblick, als er mir, am Rande der Schlucht, in einer Entfernung von zwölf Schritten, die Seite zukehrte, und ſchickte ihm eine erſte Kugel mitten auf die Schul⸗ ter, gleich darauf und während er ſich brüllend krümmte eine zweite vor der Schulter in den Leib. Er war von den beiden Kugeln mit Eiſenſpitzen durchbohrt und rollte wie eine Lawine in die Schlucht hinunter..
Während ich meine Büchſe wieder lud, waren meine Leute herbeigekommen. Mit ihnen ging ich an die Stelle, wo ich den 4
Löwen getroffen hatte. Die Leute zweifelten nicht, daß er todt ſei und liefen auf die Höhen, um Andere herbeizurufen, damit ſie den Erlegten mit forttrügen. Ich meinestheils folgte den Blutſpu⸗ ren in der Schlucht, wo der Löwe mehrere Male gefallen war und ſah, daß er in ein dunkles, dichtes, faſt undurchdringliches Ge⸗ büſch gegangen. Um ſogleich zu wiſſen, was ich zu thun habe, warf ich einen Stein in das Dickicht hinein und von etwa zwan⸗ zig Schritten her antwortete ein tiefes, bald klagendes, bald dro⸗ hendes Gebrüll. Bei dieſem Brüllen erſtarrte mir das Blut, denn ich dachte an das Brüllen des Löwen von Meſchez⸗Amar, der in ganz ähnlicher Lage vor ſechs Jahren vor meinen Augen und trotz meinen Kugeln meinen Spahi Roſſain und zwei Araber verſtüm⸗ melte. Ich kniete am Saume des Dickichts und bemü
vergebens hinein zu ſehen. Schon wollte ich mich entf mein Spahi, meine beiden Kundſchafter und vier bewaft ber zu mir kamen. Mit Mühe hielt ich ſie ab, in da


