Der Löwe und ſeine Lebensweiſe. 5
In dieſer Abſicht lauern ſie Tage lang auf einem Hügel oder auf einem Baume, von wo aus ſie das Lager erblicken können und ſobald ſie ſehen, daß die Löwin ſich entfernt, auch überzeugt ſind, daß der Löwe nicht bei den Jungen iſt, ſchleichen ſie ſich vorſichtig zu denſelben hin, wickeln ſie in ihren Burnus, damit ſie keinen Laut von ſich geben können und tragen ſie ſo Reitern zu, die am Waldſaume warten, um mit den jungen Löwen vor ſich, den Räubern derſelben hinter ſich, in geſtrecktem Galopp ſo⸗ gleich davon zu jagen. Ein ſolches Unternehmen iſt gefährlich und ich will nur folgendes Beiſpiel erzählen:
Im März des Jahres 1840 hatte eine Löwin in dem Walde El Guela im Gebirge Meziun, im Lande der Zerdezah, gewor⸗ fen. Die Jungen ſollten geraubt werden und am Morgen des verabredeten Tages fanden ſich je dreißig Männer aus zwei Nach⸗ barſtämmen an dem Sammelplatze ein.
Nachdem dieſe ſechzig Araber das Gebüſch rings umſtellt hat⸗ ten, ſchrien ſie zu wiederholten Malen und da ſie darauf die Lö⸗ win nicht zum Vorſcheine kommen ſahen, drangen ſie weiter vor und nahmen die jungen Löwen weg.
Lärmend traten ſie die Rückkehr an, da ſie von der Mutter nichts mehr zu fürchten zu haben glaubten, als der Scheik Sedek, der ein wenig hinter den Seinigen zurück war, die Löwin aus dem Gebüſche heraus und gerade auf ſich zukommen ſah.
Er rief ſogleich ſeinen Neffen Mezaoud und ſeinen Freund Ali ben Braham, die ihm auch zu Hilfe eilten. Die Löwin fiel nicht den Scheik an, der zu Pferde war, ſondern den Neffen, der zu Fuß ging.
Der junge Mann ließ ſie heran kommen und drückte dann ſein Gewehr ab.
Das Gewehr verſagte.
Mezaoud warf raſch die Waffe von ſich und hielt der Löwin den linken Arm vor, um den er ſeinen Burnus gewickelt hatte


